Ab Dezember gilt eine novellierte EMA-Leitlinie für die Entwicklung antibakterieller Arzneimittel

Die EMA veröffentlichte am 24.05.22 auf ihrer Website die neue Leitlinie zur Bewertung von Humanarzneimitteln, die für die Behandlung von bakteriellen Infektionen entwickelt werden*. Sie wird am 01.12.22 wirksam und ersetzt die zuletzt 2012 überarbeitete Vorgängerversion. Ergänzt wird die Leitlinie durch einen Anhang, der sich mit Pädiatrie-spezifischen Anforderungen an klinische Daten befasst**.

Die neue Leitlinie wurde im Mai vom CHMP angenommen. Vorausgegangen war eine etwa sechsmonatige öffentliche Konsultation (Dezember 2018 bis Juli 2019) über den von der EMA-Arbeitsgruppe für Infektionskrankheiten (Infectious Disease Working Party) vorgelegten Entwurf und die Verabschiedung durch die Arbeitsgruppe.

Nach Darstellung der EMA ist Antimikrobielle Resistenz (AMR), insbesondere gegen Antibiotika, allein in der EU für 33.000 jährliche Todesfälle verantwortlich. Außerdem werde geschätzt, dass AMR die EU jährlich 1,5 Mrd. Euro an Kosten durch Gesundheitsaufwendungen und Produktivitätsverluste verursacht.

Wie aus der EMA-Mitteilung weiter hervorgeht, spiegelt die neue Leitlinie auch die Absicht der Regulierungsbehörden in der EU, den USA und Japans wider, die Anforderungen an die Daten für Einreichungen so weit wie möglich anzugleichen, so dass Arzneimittel-Entwickler das Design klinischer Studien so gestalten können, dass sie den Evidenz-Anforderungen gleich mehrerer Zulassungsbehörden gerecht werden.

Dem Executive Summary zufolge, enthält die neue Richtlinie u. a. veränderte Empfehlungen für primäre Endpunkte, primäre Analysepopulationen und Nichtunterlegenheits-Margen in Studien, mit denen bestimmte, für einen spezifischen Infektionsort vorgesehene Anwendungen (infection site-specific indications) untermauert werden sollen.

Weitere Updates betreffen Klarstellungen zu empfohlenen Programmen für antibakterielle Wirkstoffe, die auf einen ungedeckten Bedarf gerichtet sind, sowie für Kombinationen eines Betalaktams (BL) mit einem Betalaktamasehemmer (BLI). Ergänzt wurde die Leitlinie um Guidance für klinische Studien, mit denen die Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfektionen und einer unkomplizierten Gonorrhoe unterstützt werden soll. Außerdem beschreibt die Leitlinie Umstände, unter denen pivotale Einzelstudien (single trials) akzeptiert werden können, mit denen Indikationen für spezifische Infektionsorte unterstützt werden sollen. Zudem wurde die Guidance für die Präsentation von mikrobiologischen Daten und die Daten zur klinischen Wirksamkeit im SmPC überarbeitet.

Einige Informationen der Vorgängerversion sind in der neuen Version nicht mehr vorhanden, da hierzu inzwischen separate und detailliertere Leitlinien veröffentlicht wurden.

Als Anhang enthält das Dokument einen Leitfaden für klinische Entwicklungsprogramme, wie sie für die Zulassung von antibakteriellen Wirkstoffen zur Behandlung von Infektionen bei Kindern gefordert werden. Auch der Anhang hat einen öffentlichen Konsultationsprozess durchlaufen. Er tritt zeitgleich mit der Leitlinie am 01.12.222 in Kraft.

*) Guideline on the evaluation of medicinal products indicated for treatment of bacterial infections.

**) Addendum to the guideline on the evaluation of medicinal products indicated for treatment of bacterial infections to address paediatric-specific clinical data requirements.

MAA11; 13.06.2022